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Mehr als „nur müde“

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und fühlen sich, als hätten Sie gar nicht geschlafen. Jeder Schritt kostet unverhältnismäßig viel Kraft. Nach einem kurzen Spaziergang brauchen Sie einen halben Tag Erholung. Und wenn jemand sagt: „Ruh dich doch einfach aus“, möchten Sie schreien – denn Ruhe allein ändert nichts.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS/ME) ist eine komplexe, multisystemische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen fundamental verändert. In meiner Praxis nehme ich diese Beschwerden sehr ernst – und ich sehe, dass es Möglichkeiten gibt, die Situation zu verbessern.

🎙 In meiner Podcastfolge „Immer müde trotz Schlaf – es liegt nicht an Ihnen“ erkläre ich den Unterschied zwischen müde und erschöpft, warum Bewegung bei Belastungsintoleranz nicht die Antwort ist und was ein Energie-Tagebuch sichtbar machen kann. Jetzt anhören oder ansehen – auf der Folgenseite finden Sie alle Plattformen.

CFS erkennen: Mehr als Burnout

CFS wird häufig mit Burnout verwechselt, ist aber etwas anderes. Das Leitsymptom ist die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM): eine Verschlechterung aller Symptome nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, die nicht im Verhältnis zur Aktivität steht und die sich durch Ruhe nicht reguliert. Schon ein normales Gespräch, ein Einkauf oder eine Treppe kann einen „Crash“ auslösen, der Tage oder Wochen anhält.

Dazu kommen schwere Schlafstörungen (der Schlaf ist nicht erholsam, egal wie lange Sie schlafen), kognitive Einschränkungen (Brain Fog, Wortfindungsstörungen, Konzentrationsprobleme), Muskel- und Gelenkschmerzen ohne entzündliche Ursache und orthostatische Intoleranz (Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen).

Was hinter CFS stecken kann

Die Ursachen von CFS sind multifaktoriell. In meiner Praxis sehe ich häufig ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren.

Ein Auslöser von außen. Häufig beginnt CFS nach einer Infektion – etwa nach Pfeifferschem Drüsenfieber oder nach COVID-19. Viele Betroffene können den Beginn ihrer Erschöpfung genau benennen.

Ein Nervensystem, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Schwindel beim Aufstehen, Herzrasen, nicht erholsamer Schlaf – das autonome Nervensystem ist bei CFS häufig mitbetroffen. Das macht CFS nicht zu einer psychischen Erkrankung. Aber ein Nervensystem im Dauer-Alarm kostet Energie, die dann an anderer Stelle fehlt.

Eine gestörte Mitochondrienfunktion – die Mitochondrien sind die Kraftwerke Ihrer Zellen. Wenn sie nicht effizient arbeiten, fehlt dem Körper buchstäblich der Strom. Stellen Sie sich vor, Ihr Handy hat einen defekten Akku: Es zeigt noch 30 Prozent an, aber schaltet sich bei 28 Prozent ab. Genau so fühlt sich CFS an.

Eine veränderte Stressachse. Bei manchen Betroffenen zeigt das Cortisol-Tagesprofil einen abgeflachten Verlauf – morgens fehlt der Anstieg, der eigentlich in den Tag tragen soll.

Eine gestörte Darm-Hirn-Achse mit Darmdysbiose, die über den Vagusnerv direkt das Gehirn und die Energieregulation beeinflusst.

Eine lange Vorgeschichte von Belastung. Bei manchen Frauen gehen Jahre mit Dauerstress oder schweren Erfahrungen voraus. Das ist nicht die Ursache, kann aber den Boden bereiten, auf dem ein Auslöser stärker wirkt.

Mein therapeutischer Ansatz

Ich arbeite bei CFS auf mehreren Ebenen gleichzeitig, aber behutsam und in dem Tempo, das Ihr Körper verträgt.

Auf Körperebene schaue ich auf die Mitochondrien und auf die Mikronährstoffe, die an der zellulären Energieproduktion beteiligt sind – etwa Coenzym Q10 oder B-Vitamine. Was davon sinnvoll ist, richtet sich nach Ihren Laborwerten und danach, was Ihr Körper verträgt. Gleichzeitig optimiere ich die Darmgesundheit und prüfe den Hormonstatus – denn eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Nebennierenproblem kann CFS-Symptome imitieren oder verstärken.

Auf Nervensystemebene nutze ich ergänzend CRM-Traumatherapie und Craniosacraltherapie, um dem autonomen Nervensystem aus dem Dauerstress herauszuhelfen. Das klingt vielleicht überraschend bei einer „körperlichen“ Erkrankung – aber das Nervensystem ist die Schaltzentrale, die bestimmt, ob Ihr Körper in den Regenerationsmodus schalten kann oder nicht.

Pacing ist kein Therapiemodul, sondern eine Überlebensstrategie, die ich jeder CFS-Patientin von Anfang an mitgebe. Pacing bedeutet: Ihre Aktivitäten so zu dosieren, dass Sie unter der Crash-Schwelle bleiben. Das ist nicht Faulheit – das ist das Klügste, was Sie tun können, um Ihrem Körper die Chance zu geben, sich zu erholen.

Was CFS nicht ist

CFS ist keine Depression, auch wenn sich die Symptome überschneiden. Menschen mit Depression haben oft keinen Antrieb, aber wenn sie sich aufraffen, geht es ihnen danach nicht schlechter. Menschen mit CFS wollen oft sehr viel – aber jede Anstrengung wird mit einem Crash bestraft.

CFS ist keine Einbildung. Es ist eine ernste Erkrankung, die mittlerweile von der WHO als neurologische Erkrankung klassifiziert wird. Und sie verdient einen respektvollen, geduldigen und ganzheitlichen Umgang.


Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?

Sie fühlen sich chronisch erschöpft und werden nicht ernst genommen? In meiner Praxis nehme ich Ihre Beschwerden ernst. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch – dort schaue ich mit Ihnen, was Ihr Körper braucht.

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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. CFS/ME ist eine ernste Erkrankung, die einer fachkundigen Abklärung bedarf. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.

Ihre Christiane Abraham 🌿

Christiane Abraham

Naturheilpraxis Christiane Abraham in Siek — Frauengesundheit, hormonelle Stoffwechselregulation und Traumatherapie.

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