Das verkannte Hormonungleichgewicht
Fast jede zweite Frau in meiner Praxis hat das gleiche Grundproblem – und die wenigsten wissen davon: Östrogendominanz. Der Begriff klingt widersprüchlich, denn in den Wechseljahren sinkt doch der Östrogenspiegel, oder? Ja – aber es geht nicht um die absolute Menge, sondern um das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron. Und dieses Verhältnis verschiebt sich oft bereits ab Mitte 30.
🎙 In meiner Podcastfolge „Östrogen verstehen“ erkläre ich ausführlich, wie Östrogen im Körper wirkt und warum das Gleichgewicht so entscheidend ist. Jetzt anhören auf Spotify oder überall, wo Sie Podcasts hören.
Was ist Östrogendominanz?
Östrogendominanz bedeutet, dass im Verhältnis zu Progesteron zu viel Östrogen vorhanden ist. Das kann zwei Ursachen haben: Entweder ist der absolute Östrogenspiegel erhöht – zum Beispiel durch Xenoöstrogene aus Umwelt und Ernährung – oder das Progesteron ist zu niedrig. Der zweite Fall ist der weitaus häufigere.
Stellen Sie sich eine Wippe vor: Auf der einen Seite sitzt Östrogen, auf der anderen Progesteron. In einem gesunden Zyklus ist die Wippe in Balance. Aber wenn Progesteron sinkt – und das tut es in der Perimenopause als erstes Hormon –, kippt die Wippe. Östrogen hat plötzlich zu viel Gewicht, obwohl sein absoluter Spiegel gar nicht gestiegen ist. Das ist relative Östrogendominanz.
Warum Progesteron zuerst sinkt
Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Eisprung. In einem normalen Zyklus springt eine Eizelle aus dem Eierstock. An der Stelle, wo die Eizelle gesessen hat, entsteht der Gelbkörper – und genau dieser Gelbkörper ist Ihre wichtigste Progesteronfabrik.
In der Perimenopause werden die Eisprünge unregelmäßig. Manche Zyklen haben gar keinen Eisprung mehr, obwohl die Blutung kommt. Kein Eisprung bedeutet: kein Gelbkörper. Kein Gelbkörper bedeutet: kein Progesteron. Die Wippe kippt – und zwar Monat für Monat weiter.
Typische Symptome einer Östrogendominanz
Verstärktes PMS gehört zu den häufigsten Zeichen. Die Brüste spannen stärker als früher, der Bauch bläht sich vor der Periode auf, und die Stimmungsschwankungen werden heftiger. Wassereinlagerungen, besonders an Händen, Füßen und im Gesicht, sind ein weiteres typisches Merkmal.
Gewichtszunahme an Hüfte und Oberschenkeln trotz unveränderter Ernährung frustriert viele Frauen zutiefst. Was sie nicht wissen: Östrogen fördert die Fetteinlagerung an genau diesen Stellen. Wenn der Gegenspieler Progesteron fehlt, verstärkt sich dieser Effekt.
Stärkere oder längere Monatsblutungen können auftreten, weil Östrogen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut anregt. Ohne Progesteron, das die Schleimhaut stabilisiert und einen geordneten Abbau einleitet, kann die Blutung unkontrollierter und heftiger verlaufen.
Weitere häufige Symptome sind zyklusabhängige Migräne, Myome und Zysten, Reizbarkeit und Weinerlichkeit, Schlafstörungen trotz Müdigkeit und ein Gefühl innerer Anspannung, das sich nicht abschütteln lässt.
Das Frustrierende: Viele dieser Symptome werden als „normal“ abgetan oder auf Stress geschoben. Dabei sind sie oft ein klarer Hinweis auf ein Hormonungleichgewicht, das sich diagnostizieren und behandeln lässt.
Was die Östrogendominanz verstärkt
Neben dem natürlichen Progesteronabfall gibt es Faktoren, die die Situation verschlimmern können.
Chronischer Stress ist einer der größten Verstärker. Unter Dauerstress produziert Ihr Körper mehr Cortisol – und nutzt dafür Progesteron als Baustein. Je mehr Stress, desto weniger Progesteron bleibt übrig. Ein Teufelskreis, der sich besonders in der Perimenopause bemerkbar macht.
Eine überlastete Leber kann überschüssiges Östrogen nicht effektiv abbauen. Die Leber ist Ihre zentrale Entgiftungsstation – wenn sie durch Medikamente, Alkohol, Umweltgifte oder eine ungünstige Ernährung überlastet ist, staut sich Östrogen im Körper an.
Störungen der Darmflora beeinträchtigen die Östrogenausscheidung über den Darm. Es gibt eine Gruppe von Darmbakterien – das sogenannte Estrobolom –, die bestimmt, wie viel Östrogen über den Stuhl ausgeschieden oder zurück in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Bei einer gestörten Darmflora wird oft zu viel Östrogen re-absorbiert.
Xenoöstrogene aus Plastik, Kosmetik und Pestiziden imitieren Östrogen im Körper und erhöhen die Gesamtbelastung. Sie stecken in Plastikflaschen, Konservierungsstoffen, konventioneller Kosmetik und Reinigungsmitteln.
Diagnostik: Wie erkennt man Östrogendominanz?
In meiner Praxis arbeite ich mit Speicheltests, die die freien, also biologisch aktiven Hormone messen. Anders als ein normaler Bluttest zeigt der Speicheltest das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron besonders zuverlässig. Zusätzlich schaue ich mir immer auch Cortisol, DHEA und die Schilddrüsenwerte an – denn eine Östrogendominanz kommt selten allein. Sie hängt fast immer mit dem Stresssystem und häufig auch mit der Schilddrüse zusammen.
Natürliche Behandlungsansätze
Mein Therapieansatz setzt an mehreren Stellen gleichzeitig an.
Leberunterstützung durch bittere Kräuter, Artischocke und B-Vitamine fördert den Östrogenabbau über die Leber. Besonders Vitamin B6 und Indol-3-Carbinol (aus Brokkoli und Kohlgemüse) unterstützen die Leber bei der Östrogenverarbeitung.
Gezielte Darmsanierung stellt sicher, dass das von der Leber verarbeitete Östrogen auch tatsächlich ausgeschieden wird. Eine gesunde Darmflora ist die Voraussetzung dafür, dass die Entgiftungskette funktioniert.
Reduktion von Xenoöstrogenen im Alltag – Plastik vermeiden, Naturkosmetik nutzen, Bio-Lebensmittel bevorzugen – verringert die Gesamtbelastung. Das sind einfache Schritte, die einen messbaren Unterschied machen können.
Stressregulation ist essenziell, um den Progesteronverbrauch durch Cortisol zu bremsen. In meiner Praxis kombiniere ich hier orthomolekulare Unterstützung (Magnesium, B-Vitamine, Adaptogene) mit CRM-Traumatherapie, wenn chronischer Stress tiefere Wurzeln hat.
Und bei Bedarf kann natürliches Progesteron die Balance wiederherstellen – immer in enger Abstimmung mit der behandelnden Ärztin.
Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?
PMS, Brustspannen, Gewichtszunahme? Möglicherweise steckt eine Östrogendominanz dahinter. Ich biete Ihnen eine gezielte Hormondiagnostik per Speicheltest an, die genau das misst. Vereinbaren Sie Ihr Erstgespräch in meiner Praxis in Siek.
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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.
Ihre Christiane Abraham 🌿