Warum Ihre Gene nicht Ihr Schicksal sind
Wenn ich meinen Patientinnen sage, dass ihre Gene nicht ihr Schicksal sind, sehe ich oft Erstaunen. Denn die meisten haben gelernt: Was in den Genen steht, ist festgeschrieben. Meine Mutter hatte Osteoporose, also bekomme ich sie auch. Meine Familie neigt zu Schilddrüsenproblemen, also bin ich machtlos.
Die Epigenetik zeigt uns: Das stimmt so nicht. Ihre Gene sind eher wie ein Kochbuch – sie enthalten Tausende von Rezepten. Aber welche Rezepte tatsächlich gekocht werden, bestimmen Sie mit. Durch Ihre Ernährung, Ihren Schlaf, Ihre Stressbelastung und sogar Ihre Beziehungen.
Was bedeutet Epigenetik?
Der Begriff kommt aus dem Griechischen: „epi“ bedeutet „auf“ oder „über“. Epigenetik beschreibt Mechanismen, die über den Genen liegen und bestimmen, welche Gene aktiv sind und welche stumm bleiben. Stellen Sie sich Ihre DNA vor wie eine riesige Bibliothek: Jedes Buch ist ein Gen. Epigenetische Markierungen sind wie Lesezeichen – sie bestimmen, welche Bücher aufgeschlagen werden und welche im Regal stehen bleiben.
Das Faszinierende: Diese Lesezeichen sind nicht fest. Sie verändern sich im Laufe Ihres Lebens – durch das, was Sie essen, wie Sie schlafen, wie viel Stress Sie haben, welchen Umweltgiften Sie ausgesetzt sind und sogar durch Ihre emotionalen Erfahrungen.
Das Aquarium-Bild: Ihr Körper als Biotop
Ich nutze in meiner Praxis gern ein Bild, das der Biologe Michael Schneider geprägt hat: Stellen Sie sich Ihren Körper vor wie ein Aquarium. Die Fische sind Ihre Organe, Ihre Zellen, Ihre Gene. Das Wasser ist Ihr inneres Milieu – Ihre Ernährung, Ihr Mikrobiom, Ihre Stresshormone, Ihre Nährstoffversorgung.
Wenn das Wasser sauber ist, schwimmen die Fische munter. Wenn das Wasser trüb wird – durch Stress, Mangelernährung, Toxine, Schlafmangel – werden die Fische krank. Nicht weil die Fische „schlechte Gene“ haben, sondern weil das Milieu nicht stimmt.
Genau das ist Epigenetik in der Praxis: Nicht die Gene verändern, sondern das Milieu optimieren, in dem die Gene arbeiten.
Was das für Ihre Gesundheit bedeutet
Ein konkretes Beispiel: Das Gen COMT beeinflusst, wie schnell Ihr Körper Östrogen abbaut. Frauen mit einer langsamen COMT-Variante bauen Östrogen langsamer ab – sie neigen eher zur Östrogendominanz. Aber ob dieses Gen zum Problem wird, hängt davon ab, ob die Leber gut arbeitet, ob genug B-Vitamine und Magnesium vorhanden sind und ob die Darmflora den Östrogenabbau unterstützt.
Ein anderes Beispiel: Das Gen MTHFR beeinflusst die Methylierung – einen Schlüsselprozess für Entgiftung, Hormonabbau und Neurotransmitterproduktion. Bis zu 40 Prozent der Bevölkerung tragen eine Variante, die diesen Prozess verlangsamt. Aber mit den richtigen Nährstoffen (aktive B-Vitamine statt der Standardformen) lässt sich das ausgleichen.
Das Prinzip hinter all dem hat der Epigenetik-Forscher Ben Lynch „Soak and Scrub“ genannt: Erst das Milieu reinigen (Scrub), dann die Gene mit den richtigen Nährstoffen unterstützen (Soak). Nicht umgekehrt.
Was Sie selbst tun können
Das Schöne an der Epigenetik ist: Sie gibt Ihnen die Macht zurück. Antientzündliche Ernährung beeinflusst Hunderte von Genen. Regelmäßige Bewegung aktiviert Schutzgene. Stressreduktion kann entzündungsfördernde Gene stummschalten. Und guter Schlaf ist einer der stärksten epigenetischen Regulatoren überhaupt.
In meiner Praxis verbinde ich epigenetisches Wissen mit individueller Diagnostik: Welche Genvarianten bringen Sie mit? Wie steht es um Ihr Milieu? Und wo können wir ansetzen, damit Ihre Gene für Sie arbeiten – nicht gegen Sie?
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Sie möchten wissen, wie Ihre Gene ticken und was Sie konkret tun können? In meiner Praxis verbinde ich epigenetische Diagnostik mit ganzheitlicher Therapie.
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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.
Ihre Christiane Abraham 🌿