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Warum Vitamine allein nicht reichen

Jede dritte Frau, die zu mir in die Praxis kommt, bringt eine Tasche voller Nahrungsergänzungsmittel mit. Vitamin D, Magnesium, Omega-3, Zink, B-Komplex – alles auf eigene Faust gekauft, nach Empfehlungen aus dem Internet oder von Freundinnen. Und trotzdem fühlen sie sich nicht besser.

Das Problem ist nicht, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht wirken. Das Problem ist, dass sie nach dem Gießkannenprinzip eingenommen werden: alles ein bisschen, ohne zu wissen, was wirklich fehlt.

Was ist orthomolekulare Therapie?

Der Begriff geht auf den Nobelpreisträger Linus Pauling zurück und bedeutet wörtlich: „Die richtigen Moleküle in der richtigen Menge.“ Orthomolekulare Therapie arbeitet mit Substanzen, die der Körper kennt und braucht: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Fettsäuren. Aber – und das ist der entscheidende Unterschied zum Selbstversuch aus dem Drogeriemarkt – gezielt dosiert auf Basis einer individuellen Labordiagnostik.

Es geht nicht darum, wahllos Pillen zu schlucken. Es geht darum, herauszufinden, was genau fehlt, warum es fehlt und in welcher Form und Dosierung Ihr Körper es am besten aufnehmen kann.

Warum Eigendiagnose riskant ist

In meiner Praxis sehe ich regelmäßig, welche Probleme gut gemeinte Selbstmedikation verursachen kann.

Zu viel Zink über längere Zeit kann einen Kupfermangel verursachen – mit Symptomen wie Blutarmut und Immunschwäche, die dann fälschlicherweise dem Zinkmangel zugeschrieben werden.

Vitamin D ohne Vitamin K2 kann dazu führen, dass Kalzium nicht in die Knochen eingebaut wird, sondern sich in den Gefäßen ablagert. Das Gegenteil dessen, was Sie erreichen wollen.

Eisen ohne nachgewiesenen Mangel kann oxidativen Stress verstärken und die Leber belasten. Eisen ist einer der wenigen Mikronährstoffe, bei dem ein Zuviel gefährlicher sein kann als ein Zuwenig.

B12 als Cyanocobalamin – die häufigste und billigste Form in Drogerieprodukten – ist für Menschen mit bestimmten Genvarianten (wie der MTHFR-Mutation) kaum verwertbar. Sie schlucken B12, Ihr Bluttest sieht gut aus, aber in den Zellen kommt nichts an.

Magnesiumoxid wird zu einem großen Teil gar nicht aufgenommen und verursacht stattdessen Durchfall. Die Bioverfügbarkeit unterscheidet sich je nach Magnesiumform erheblich – Magnesiumcitrat, -glycinat oder -malat werden deutlich besser verwertet.

Welche Laborwerte wirklich aussagekräftig sind

In meiner Praxis teste ich nicht die Standardwerte, die beim Hausarzt gemacht werden. Ich schaue tiefer.

Vollblutanalyse statt Serumwerte – Mineralstoffe wie Magnesium, Zink und Selen werden im Serum oft als „normal“ gemessen, obwohl sie in den Zellen bereits deutlich erniedrigt sind. Die Vollblutanalyse misst dort, wo die Nährstoffe tatsächlich arbeiten.

Holotranscobalamin statt Gesamt-B12 – Der Standard-B12-Wert zeigt auch inaktive Speicherformen an. Holotranscobalamin misst nur das biologisch aktive B12, das Ihre Zellen tatsächlich nutzen können.

Ferritin als Eisenspeicher – Der Hämoglobin-Wert kann noch völlig normal sein, während Ihre Eisenspeicher längst leer sind. Viele Frauen haben ein Ferritin unter 30 ng/ml und werden trotzdem als „nicht anämisch“ eingestuft – obwohl sie sich erschöpft, vergesslich und kälteempfindlich fühlen.

Omega-3-Index – Das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren sagt mehr über Ihren Entzündungsstatus aus als jeder einzelne Entzündungsmarker. Ein optimaler Index liegt bei 8 bis 11 Prozent – die meisten Menschen in Deutschland liegen unter 5.

25-OH-Vitamin-D3 – Der Vitamin-D-Spiegel sollte nicht nur „im Normbereich“ sein (was oft schon bei 30 ng/ml beginnt), sondern im optimalen Bereich zwischen 40 und 60 ng/ml liegen.

Die wichtigsten Mikronährstoffe für Frauen in den Wechseljahren

In dieser Lebensphase steigt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen deutlich – gleichzeitig sinkt bei vielen Frauen die Aufnahmefähigkeit, besonders wenn die Verdauung nicht optimal läuft.

Magnesium ist der Allrounder: Es beruhigt das Nervensystem, fördert den Tiefschlaf, entspannt die Muskulatur und ist an der Hormonproduktion beteiligt. In Stresszeiten verbraucht der Körper mehr Magnesium, als die meisten Frauen über die Ernährung aufnehmen.

B-Vitamine – insbesondere B6, B12 und Folsäure – sind an der Methylierung beteiligt, einem biochemischen Prozess, ohne den Ihr Körper keine Neurotransmitter (Serotonin, Dopamin), keine aktiven Hormone und keine Entgiftungsreaktionen herstellen kann.

Vitamin D ist streng genommen ein Hormon und beeinflusst über 200 Gene. Es ist essenziell für Knochen, Immunsystem und Stimmung – und in unseren Breitengraden bei fast allen Frauen zu niedrig.

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) schützen vor Entzündungen, unterstützen die Gehirnfunktion und fördern die Herzgesundheit. In den Wechseljahren, wenn der Östrogenschutz nachlässt, wird dieser Schutzfaktor besonders wichtig.

Selen ist unverzichtbar für die Schilddrüsenfunktion (Umwandlung von T4 in T3), die Immunabwehr und den Schutz vor oxidativem Stress.

Coenzym Q10 unterstützt die Energieproduktion in den Mitochondrien. Mit dem Alter sinkt die körpereigene Q10-Produktion – und damit die Fähigkeit Ihrer Zellen, effizient Energie zu erzeugen.

Mein Ansatz: Testen, nicht raten

In meiner Praxis gilt ein einfaches Prinzip: Erst messen, dann gezielt ergänzen. Keine pauschalen Empfehlungen, keine Standardpakete. Jede Patientin bekommt einen individuellen Nährstoffplan, der auf ihren Laborergebnissen basiert und regelmäßig kontrolliert wird.

Denn orthomolekulare Therapie ist kein einmaliger Akt – sie ist ein Prozess. Ihr Körper verändert sich, Ihre Belastungen verändern sich, und damit verändern sich auch Ihre Bedarfe. Was heute richtig ist, kann in sechs Monaten angepasst werden müssen. Deshalb kontrolliere ich die Werte nach etwa drei Monaten und passe den Plan an.


Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?

Sie nehmen schon Vitamine, spüren aber keine Wirkung? Lassen Sie gezielt testen, was Ihr Körper wirklich braucht. Vereinbaren Sie einen Termin für eine individuelle Mikronährstoffanalyse in meiner Praxis in Siek.

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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.

Ihre Christiane Abraham 🌿

Christiane Abraham

Naturheilpraxis Christiane Abraham in Siek — Frauengesundheit, hormonelle Stoffwechselregulation und Traumatherapie.

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