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Wenn die Welt zu laut ist

Geräusche, die andere gar nicht wahrnehmen, bringen Sie an den Rand. Menschenmengen erschöpfen Sie. Sie spüren die Stimmungen anderer Menschen, als wären es Ihre eigenen. Am Ende des Tages sind Sie überreizt, obwohl „nichts Besonderes“ passiert ist. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, gehören Sie möglicherweise zu den 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung, die als hochsensibel gelten.

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität (HSP – Highly Sensitive Person) ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das von der Psychologin Elaine Aron in den 1990er-Jahren beschrieben wurde. Hochsensible Menschen verarbeiten Sinnesreize tiefer und gründlicher als andere. Das betrifft nicht nur äußere Reize wie Geräusche, Licht und Gerüche, sondern auch innere Reize wie Emotionen, Schmerz und Hunger.

Hochsensibilität ist keine Störung und keine Krankheit. Es ist eine angeborene Eigenschaft des Nervensystems – eine Art, wie Ihr Gehirn Informationen verarbeitet. In ruhiger Umgebung ist das eine Stärke: Hochsensible Menschen nehmen Nuancen wahr, die anderen entgehen, denken tiefgründig und haben oft ein starkes Einfühlungsvermögen. In einer reizüberfluteten Welt kann es allerdings zur Belastung werden.

Hochsensibel oder überreiztes Nervensystem?

Diese Unterscheidung ist mir wichtig, denn sie bestimmt den therapeutischen Ansatz. Echte Hochsensibilität ist angeboren und bleibt ein Leben lang bestehen – sie erfordert in erster Linie Selbstverständnis und alltagstaugliche Strategien. Ein chronisch überreiztes Nervensystem dagegen kann durch Trauma, Dauerstress, hormonelle Veränderungen oder auch körperliche Belastungen (Nährstoffmängel, Darmprobleme, Schilddrüse) entstehen – und ist behandelbar.

In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass beides zusammenkommt: Eine angeborene Hochsensibilität, die durch belastende Erfahrungen oder jahrelange Überforderung zu einem dauerhaft überreizten Nervensystem geführt hat. Das Nervensystem hat verlernt, zwischen „laut“ und „gefährlich“ zu unterscheiden – und reagiert auf alles, als wäre es eine Bedrohung.

Hochsensibilität und Trauma

Hochsensible Kinder nehmen belastende Erfahrungen intensiver wahr als andere. Was für ein weniger sensibles Kind vielleicht „nur“ unangenehm war, kann für ein hochsensibles Kind traumatisch wirken – nicht weil das Kind schwach ist, sondern weil sein Nervensystem den Reiz tiefer verarbeitet.

Deshalb finden sich unter hochsensiblen Erwachsenen überdurchschnittlich häufig unverarbeitete kindliche Belastungen. Das ist kein Defekt – es ist eine logische Konsequenz der Art, wie ein hochsensibles Nervensystem arbeitet. Und es lässt sich bearbeiten.

Hochsensibilität in den Wechseljahren

Viele Frauen berichten, dass ihre Sensibilität in der Perimenopause deutlich zunimmt. Das ist kein Zufall: Östrogen hat eine modulierende Wirkung auf das Nervensystem, und Progesteron wirkt beruhigend über GABA-Rezeptoren. Wenn beide Hormone schwanken oder sinken, verliert das Nervensystem seine hormonellen Stabilisatoren – und bei Frauen, die ohnehin hochsensibel sind, kann das den Unterschied zwischen „gut zurechtkommen“ und „am Rand der Überlastung“ bedeuten.

Nervensystemregulation als Schlüssel

In meiner Praxis arbeite ich mit hochsensiblen Erwachsenen und Kindern vor allem an der Regulation des Nervensystems. CRM-Traumatherapie kann helfen, alte Belastungen zu verarbeiten, die das Nervensystem in Daueranspannung halten. Craniosacraltherapie unterstützt den Körper dabei, aus dem Sympathikus-Modus (Daueralarm) in den Parasympathikus-Modus (Ruhe und Regeneration) zurückzufinden.

Gleichzeitig schaue ich mir die körperlichen Grundlagen an: Mikronährstoffstatus (Magnesium, B-Vitamine, Vitamin D), Schilddrüsenfunktion, Hormonsituation und Darmgesundheit. Denn ein Nervensystem, dem die biochemischen Bausteine fehlen, kann sich nicht regulieren – egal wie viele Atemübungen Sie machen.

Tipps für hochsensible Menschen

Reizbudget kennen und respektieren. Ihr Nervensystem hat ein tägliches Budget an Reizen, die es verarbeiten kann. Wenn Sie merken, dass das Budget erschöpft ist, ist das keine Schwäche – es ist ein Signal, sich zurückzuziehen und aufzuladen.

Übergänge bewusst gestalten. Hochsensible Menschen brauchen zwischen verschiedenen Aktivitäten mehr Übergangszeit als andere. Fünf Minuten Stille zwischen zwei Terminen können den Unterschied machen.

Nein sagen lernen. Das klingt einfach und ist für viele Hochsensible das Schwerste. Aber jedes Ja, das eigentlich ein Nein ist, kostet doppelt Energie.


Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?

Hochsensibel und überwältigt? Ich helfe Ihnen, einen guten Umgang mit Ihrer Sensibilität zu finden – und Ihr Nervensystem wieder in die Balance zu bringen.

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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen.

Ihre Christiane Abraham 🌿

Christiane Abraham

Naturheilpraxis Christiane Abraham in Siek — Frauengesundheit, hormonelle Stoffwechselregulation und Traumatherapie.

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