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Was Sie wirklich wissen müssen

Kaum ein Thema in der Frauengesundheit ist so von Angst besetzt wie die Hormontherapie. Viele meiner Patientinnen kommen mit der festen Überzeugung zu mir: „Hormone sind gefährlich.“ Und ich verstehe das – denn jahrzehntelang wurde genau diese Botschaft vermittelt. Doch die Wissenschaft ist weiter. Es wird Zeit, die Fakten von den Mythen zu trennen.

🎙 In meiner Podcastfolge „Moderne Hormontherapie“ gehe ich noch tiefer in dieses Thema ein – mit konkreten Erklärungen zu Progesteron, Östrogen und Testosteron. Jetzt anhören auf Spotify oder überall, wo Sie Podcasts hören.

Was sind bioidentische Hormone?

Bioidentische Hormone sind Moleküle, die chemisch exakt den Hormonen entsprechen, die Ihr Körper selbst produziert. Sie werden meist aus Pflanzenstoffen gewonnen – häufig aus der Yamswurzel oder aus Soja – und im Labor in die gleiche Struktur umgewandelt, die auch in Ihren Eierstöcken, Nebennieren oder Ihrem Fettgewebe entsteht.

Der entscheidende Unterschied: Ihr Körper erkennt sie als „eigene“ Hormone und kann sie über die normalen Stoffwechselwege verarbeiten. Das ist bei synthetischen Hormonen anders – diese haben eine veränderte Molekülstruktur, die der Körper nicht auf natürlichem Weg abbauen kann. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Schlüssel, der perfekt in ein Schloss passt – das ist das bioidentische Hormon. Ein synthetisches Hormon ist wie ein Nachschlüssel, der zwar irgendwie reinpasst, aber das Schloss dabei verkratzt.

Die WHI-Studie: Was wirklich getestet wurde

Die große Angst vor Hormonen geht auf die WHI-Studie (Women’s Health Initiative) aus den frühen 2000er-Jahren zurück. Diese Studie fand ein leicht erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Schlaganfall und Thrombose – und löste eine weltweite Panik aus. Millionen von Frauen setzten ihre Hormone ab, und Ärzte verschrieben plötzlich kaum noch Hormontherapie.

Was dabei oft verschwiegen wird: Die WHI-Studie verwendete Östrogene aus Pferdeurin (sogenannte konjugierte equine Östrogene) in Kombination mit einem synthetischen Gestagen (Medroxyprogesteronacetat). Die Teilnehmerinnen waren im Durchschnitt 63 Jahre alt – also bereits weit über die Menopause hinaus. Die Hormone wurden zudem oral als Tablette eingenommen, was das Thromboserisiko über den Lebermetabolismus erhöht.

Diese Studie mit der heutigen bioidentischen Hormontherapie gleichzusetzen, ist in etwa so, als würde man sagen: „Autos sind gefährlich“ – weil ein Rennwagen aus den 90er-Jahren einen Unfall hatte.

Transdermal statt oral: Warum die Anwendungsform entscheidend ist

Bioidentisches Östrogen wird heute als Gel oder Pflaster auf die Haut aufgetragen. Dieser transdermale Weg hat einen entscheidenden Vorteil: Das Östrogen gelangt direkt über die Haut in den Blutkreislauf, ohne zuerst die Leber zu passieren. Bei oraler Einnahme als Tablette muss das Östrogen erst die Leber durchlaufen – dort beeinflusst es die Produktion von Gerinnungsfaktoren und erhöht so das Thromboserisiko. Transdermal angewendet entfällt dieser Effekt.

Das ist keine Kleinigkeit. Es ist einer der wichtigsten Fortschritte in der modernen Hormontherapie – und einer, den viele Frauen und auch manche Ärzte noch nicht kennen.

Wann Ärzte heute eine Hormontherapie empfehlen: Die vier Einsatzgebiete

Hormontherapie ist keine Lifestyle-Entscheidung – sie hat klare, leitliniengestützte Einsatzgebiete. Die aktuelle medizinische Leitlinie nennt vier Situationen, in denen eine Hormonersatztherapie empfohlen wird.

Erstens: Wechseljahresbeschwerden. Wenn Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Scheidentrockenheit die Lebensqualität erheblich einschränken, ist eine Hormontherapie die wirksamste Behandlung, die wir kennen.

Zweitens: Osteoporoseprophylaxe bei erhöhtem Frakturrisiko. Östrogen ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren für Ihre Knochen. Wenn das Frakturrisiko erhöht ist – etwa durch familiäre Vorbelastung, niedrige Knochendichte oder andere Risikofaktoren –, kann eine Hormontherapie den Knochenabbau wirksam bremsen.

Drittens: Frühe Menopause vor dem 45. Lebensjahr. Frauen, deren Eierstockfunktion vorzeitig nachlässt – sei es natürlich, durch eine Operation oder durch eine medizinische Behandlung –, haben eine deutlich längere Phase des Östrogenmangels vor sich. Bei ihnen wird eine Hormontherapie auch dann empfohlen, wenn sie keine klassischen Wechseljahresbeschwerden haben. Denn es geht hier nicht um Symptomlinderung, sondern um Prävention: Schutz vor Osteoporose, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vor dem erhöhten Demenzrisiko, das mit einem jahrelangen Östrogenmangel einhergeht.

Viertens: Urogenitale Beschwerden. Scheidentrockenheit, wiederkehrende Blasenentzündungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sprechen oft sehr gut auf eine lokale Östrogentherapie an – auch bei Frauen, die keine systemische Hormontherapie wünschen oder benötigen.

Progesteron, Östrogen, Testosteron: Wann welches Hormon?

Progesteron ist oft das erste Hormon, das in der Perimenopause fehlt, weil die Eisprünge unregelmäßiger werden. Natürliches Progesteron (als Kapsel eingenommen) wirkt nicht nur auf die Gebärmutterschleimhaut, sondern auch beruhigend auf das Nervensystem – es bindet an GABA-Rezeptoren im Gehirn und fördert so den Schlaf. Viele meiner Patientinnen berichten, dass sie mit Progesteron zum ersten Mal seit Monaten wieder durchschlafen.

Östrogen (als Gel oder Pflaster) wird eingesetzt, wenn die Östrogenspiegel deutlich sinken – erkennbar an Symptomen wie Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Brain Fog und Gelenkschmerzen. Die Dosierung wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert.

Testosteron ist ein Hormon, über das in den Wechseljahren noch viel zu wenig gesprochen wird. Auch Frauen produzieren Testosteron, und auch bei ihnen sinkt es mit dem Alter. Ein Mangel kann sich zeigen als Antriebslosigkeit, Muskelabbau, nachlassende Libido und eine allgemeine Lustlosigkeit am Leben. Testosteron kann als Gel in niedriger Dosierung ergänzt werden – die Entscheidung darüber trifft die behandelnde Ärztin.

Mein Ansatz in der Praxis

In meiner Naturheilpraxis arbeite ich mit einer ausführlichen Hormondiagnostik, die über den Standard-Bluttest hinausgeht. Ich nutze Speicheltests, die die freien, also biologisch aktiven Hormone messen, und erstelle ein Cortisol-Tagesprofil, um die Nebennierenfunktion einzuschätzen. Auf dieser Grundlage kann ich erkennen, welche Hormone wirklich fehlen und wo die individuelle Balance gestört ist.

Nicht jede Frau braucht eine Hormonersatztherapie. Manchmal reichen pflanzliche Unterstützung, Mikronährstoffe und Lebensstilveränderungen. Aber wenn Hormone sinnvoll sind, sollte keine Frau aus Angst darauf verzichten müssen – denn die langfristigen Risiken eines unbehandelten Hormonmangels (Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kognitive Einbußen) sind ebenfalls erheblich.

Häufige Fragen meiner Patientinnen

Machen Hormone Krebs? Lassen Sie uns auf die Zahlen schauen, denn sie ordnen das Risiko ein. Von 1.000 Frauen zwischen 50 und 55 Jahren, die keine Hormontherapie anwenden, erkranken statistisch 14 an Brustkrebs. Mit einer Hormonersatztherapie aus bioidentischem Östrogen und Progesteron sind es 17 – also 3 zusätzliche Fälle pro 1.000 Frauen. Das ist ein messbarer, aber kleiner Unterschied. Und er muss ins Verhältnis gesetzt werden zu dem, was ein unbehandelter Östrogenmangel langfristig verursachen kann: ein deutlich erhöhtes Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz. Trotzdem ist eine individuelle Risikobewertung immer sinnvoll – und diese Einschätzung gehört in ärztliche Hände.

Ab wann kann ich starten? Idealerweise, sobald Sie erste Symptome einer hormonellen Veränderung spüren – auch wenn Sie noch regelmäßig Ihre Periode haben. Je früher die Diagnose, desto gezielter die Unterstützung.

Muss ich die Hormone für immer nehmen? Das hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Viele Frauen nutzen bioidentische Hormone über mehrere Jahre in der Übergangsphase und reduzieren sie dann schrittweise. Andere entscheiden sich für eine längerfristige Anwendung – zum Beispiel zum Schutz der Knochen oder des Gehirns.

Kann ich als Brustkrebspatientin Hormone nehmen? Das ist eine Frage, die ausschließlich Ihre behandelnde Ärztin beantworten kann. Ich unterstütze in meiner Praxis die ärztliche Therapie mit naturheilkundlichen Maßnahmen – aber die Entscheidung über Hormontherapie bei Brustkrebs liegt immer bei der Onkologin.


Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?

Sie möchten wissen, ob bioidentische Hormone für Sie sinnvoll sind? In meiner Praxis biete ich eine ausführliche Hormondiagnostik an. Gemeinsam finden wir heraus, was Ihr Körper wirklich braucht. Vereinbaren Sie Ihr Erstgespräch.

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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Diagnosen und Verordnungen von Hormonpräparaten gehören in ärztliche Hände. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.

Ihre Christiane Abraham 🌿

Christiane Abraham

Naturheilpraxis Christiane Abraham in Siek — Frauengesundheit, hormonelle Stoffwechselregulation und Traumatherapie.

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