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Warum Hashimoto-Symptome plötzlich schlimmer werden

In meiner Praxis erlebe ich es fast wöchentlich: Eine Patientin kommt, weil sie sich seit Monaten zunehmend erschöpft fühlt, zunimmt, friert und Haarausfall hat. Beim Hausarzt wurde die Schilddrüse gecheckt – „TSH ist normal.“ Gleichzeitig ist sie Mitte 40 und die Wechseljahre wurden noch gar nicht in Betracht gezogen. Was viele nicht wissen: Schilddrüse und Sexualhormone sind eng miteinander verbunden – und in der Perimenopause kann sich das auf dramatische Weise zeigen.

🎙 In meiner Podcastfolge „Schilddrüse verstehen“ erkläre ich diese Zusammenhänge ausführlich – mit dem Metronom-Bild, dem Blind-Schlüssel und drei konkreten Dingen, die Sie sofort tun können. Jetzt anhören auf Spotify oder überall, wo Sie Podcasts hören.

Die Schilddrüse: Ein Metronom für den ganzen Körper

Stellen Sie sich Ihre Schilddrüse vor wie ein Metronom – dieses kleine Gerät, das Musikern den Takt vorgibt. Genau das tut die Schilddrüse für Ihren ganzen Körper: Sie gibt das Tempo vor, in dem alles läuft. Ihr Stoffwechsel, Ihr Herzschlag, Ihre Verdauung, Ihre Stimmung, sogar die Geschwindigkeit, mit der Ihre Haare wachsen. Schlägt das Metronom zu langsam, wird alles träge und schwer – das ist die Unterfunktion. Schlägt es zu schnell, rast alles – das wäre die Überfunktion.

In den Wechseljahren, wenn die Hormone Achterbahn fahren, gerät genau dieses Metronom aus dem Takt.

Wie Östrogen und Schilddrüse zusammenhängen

Östrogen hat einen direkten Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion. Es erhöht die Produktion von Thyroxin-bindendem Globulin (TBG) – einem Transportprotein, das Schilddrüsenhormone im Blut bindet und damit erst einmal parkt. Gebundenes Hormon kann nicht arbeiten. In der Perimenopause, wenn Östrogen Achterbahn fährt, schwankt auch die Verfügbarkeit von freien Schilddrüsenhormonen ständig.

Das Ergebnis: An manchen Tagen haben Sie genügend freies T3 und T4, an anderen Tagen spüren Sie plötzlich eine massive Unterfunktion – obwohl Ihre Schilddrüse an sich gar nicht das Problem ist. Wenn Sie bereits Hashimoto haben, kann dieser Effekt bestehende Beschwerden massiv verstärken.

Östrogendominanz als Trigger für Hashimoto-Schübe

Ein häufiges Muster in der frühen Perimenopause ist die sogenannte Östrogendominanz: Das Progesteron sinkt, während das Östrogen relativ gesehen zu hoch ist. Dieser Östrogenüberschuss kann die TBG-Produktion zusätzlich anheizen und so noch weniger freie Schilddrüsenhormone zur Verfügung stellen.

Viele Frauen in dieser Situation bekommen eine höhere Dosis L-Thyroxin verschrieben, obwohl das eigentliche Problem nicht die Schilddrüse ist, sondern das Hormonungleichgewicht. Erst wenn man beide Systeme zusammen betrachtet, ergibt sich ein stimmiges Bild.

Der Blind-Schlüssel: Warum Sie sich krank fühlen, obwohl die Werte „stimmen“

Es gibt einen Wert, der in der Standard-Diagnostik fast nie gemessen wird, aber viel verraten kann: das reverse T3 (rT3). Stellen Sie sich das aktive Schilddrüsenhormon T3 vor wie einen Schlüssel, der perfekt in das Schloss Ihrer Zelle passt und die Tür aufschließt. Das reverse T3 sieht fast genauso aus – es passt ins Schloss, aber es schließt nicht auf. Es ist ein Blind-Schlüssel.

Das Tückische: Solange der Blind-Schlüssel im Schloss steckt, kommt auch der echte Schlüssel nicht mehr rein. Unter Dauerstress oder bei Erkrankungen baut der Körper immer mehr T4 in diese wirkungslose Form um, statt in das aktive T3. Das Ergebnis: Sie haben alle Symptome einer Unterfunktion, obwohl die Standardwerte auf dem Papier okay aussehen.

Warum TSH allein nicht reicht

Der TSH-Wert ist der Standardmarker, den die meisten Ärzte messen. Aber TSH zeigt nur, wie laut die Hirnanhangsdrüse nach Schilddrüsenhormonen „ruft“ – nicht, wie viel tatsächlich in den Zellen ankommt. Dazu kommt: Der Normbereich fürs TSH ist sehr breit. Ein Wert kann technisch „im Normbereich“ liegen und für Ihren Körper trotzdem zu hoch sein. Viele Frauen fühlen sich erst dann wieder richtig gut, wenn ihr TSH im unteren Bereich liegt – nicht irgendwo am oberen Rand der Norm. Genau das meine ich mit: Normal ist nicht optimal.

Für eine aussagekräftige Diagnostik brauchen Sie mindestens: freies T3, freies T4, TSH, TPO-Antikörper und idealerweise auch reverse T3. Dazu Selen, Zink, Eisen (Ferritin) und Vitamin D – denn diese Mikronährstoffe sind essenziell für die Umwandlung von T4 in T3. Ein Selenmangel allein kann dafür sorgen, dass Ihre Schilddrüse auf dem Papier gut aussieht, Sie sich aber trotzdem wie in einer Unterfunktion fühlen.

Nicht alles ist die Schilddrüse

Diesen Hinweis gebe ich bewusst: Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme und Stimmungstief passen nicht nur zur Schilddrüse. Ein Eisenmangel macht genau dieselbe Müdigkeit. Ein B12-Mangel macht denselben Nebel im Kopf. Und gerade bei Frauen in den Wechseljahren überschneiden sich die Symptome von Schilddrüse und Perimenopause so stark, dass selbst erfahrene Ärzte sie verwechseln.

Das Wichtige ist also: Aufmerksam werden – ja. Sich vorschnell selbst diagnostizieren – nein. Eine saubere Abklärung durch Fachleute ist der richtige Weg.

Die Schilddrüse arbeitet nicht allein

In meiner Praxis betrachte ich Schilddrüse, Sexualhormone, Nebenniere und Darm als zusammenhängendes System. Oft ist eine Schilddrüsenunterfunktion nicht die Ursache, sondern die Folge.

Darm und Leber spielen eine zentrale Rolle, denn ein großer Teil der Umwandlung vom Speicherhormon T4 in das aktive T3 passiert nicht in der Schilddrüse selbst, sondern in Leber und Darm. Läuft der Darm nicht rund, stockt diese Umwandlung.

Die Nebenniere ist der zweite große Mitspieler. Dauerstress und ein hohes Cortisol bremsen genau diese Umwandlung und treiben das reverse T3 hoch. Wer seine Schilddrüse unterstützen will, muss auch das Nervensystem anschauen.

Das Eisen, genauer der Speicherwert Ferritin, ist der dritte Faktor. Ist er zu niedrig – und das ist bei Frauen extrem häufig –, kann die Schilddrüse ihr Hormon nicht richtig nutzen.

Warum die Dosis immer weiter steigt

Viele Frauen nehmen seit Jahren L-Thyroxin, und trotzdem muss die Dosis immer wieder erhöht werden. Das ist kein Schicksal – es ist ein Signal. Dahinter steckt fast immer einer von drei Gründen: Das Hormon wird im Darm nicht richtig aufgenommen (durch Magenprobleme, Säureblocker oder falsche Einnahme mit Kaffee oder Kalzium). Die Umwandlung in T3 stockt (durch Stress, fehlendes Selen oder reverse T3). Oder ein veränderter Östrogenspiegel (durch Hormontherapie, Pille oder Perimenopause) bindet mehr Schilddrüsenhormon an Transportproteine.

Wichtig: Verändern Sie Ihre Dosis bitte niemals selbst – das gehört in ärztliche Hand. Aber die Frage nach dem Warum, die dürfen und sollten Sie stellen.

Was Sie jetzt konkret tun können

Erstens: Bitten Sie beim nächsten Blutbild um das ganze Bild – nicht nur TSH, sondern auch fT3, fT4 und die Antikörper.

Zweitens: Lassen Sie Ihren Selen- und Ferritin-Status prüfen. Und nehmen Sie bitte nicht blind hochdosiertes Jod – bei Hashimoto kann das einen Schub auslösen.

Drittens: Nehmen Sie Stress und Darm ernst. Eine ruhige Abendroutine und ein gut versorgter Darm sind keine Wellness-Spielerei – das ist Schilddrüsen-Arbeit.


Sie möchten wissen, ob ich Ihnen helfen kann?

Schilddrüsenprobleme und gleichzeitig Wechseljahresbeschwerden? Lassen Sie uns gemeinsam auf das ganze Bild schauen. In meiner Praxis biete ich eine umfassende Hormon- und Schilddrüsendiagnostik an. Vereinbaren Sie Ihr Erstgespräch.

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Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und können keine individuelle ärztliche oder heilkundliche Diagnose oder Behandlung ersetzen. Die Diagnose Hashimoto und jede Schilddrüsenmedikation gehören in ärztliche Hände. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens.

Ihre Christiane Abraham 🌿

Christiane Abraham

Naturheilpraxis Christiane Abraham in Siek — Frauengesundheit, hormonelle Stoffwechselregulation und Traumatherapie.

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