„Meine Schilddrüse ist in Ordnung – der Wert ist normal.“ Diesen Satz hören viele Frauen, während sie sich gleichzeitig erschöpft, fröstelnd und ausgelaugt fühlen. Wie passt das zusammen? In meiner neuen Podcast-Folge schaue ich genau auf diesen Widerspruch – und darauf, warum „normal“ bei der Schilddrüse längst nicht „optimal“ bedeutet. Hier finden Sie die wichtigsten Gedanken zum Nachlesen.
Warum die Schilddrüse in den Wechseljahren aus dem Takt gerät
Die Schilddrüse und die weiblichen Geschlechtshormone sind ein eingespieltes Team. Wenn in den Wechseljahren das Östrogen schwankt, bekommt die Schilddrüse das mit. Östrogen sorgt dafür, dass mehr von einem bestimmten Transport-Eiweiß im Blut unterwegs ist, das Schilddrüsenhormon bindet – gebundenes Hormon ist aber erst einmal geparkt und kann nicht wirken. So kann jemand auf dem Papier genug Schilddrüsenhormon haben und trotzdem zu wenig freies, also wirksames. Hinzu kommt Hashimoto, die häufigste Ursache einer Unterfunktion: Diese Autoimmunerkrankung trifft Frauen deutlich häufiger und kann gerade in den Wechseljahren neue Schübe bekommen.
Die TSH-Falle: warum ein Wert nicht reicht
Wird die Schilddrüse überprüft, schaut man meistens nur auf einen einzigen Wert: das TSH. Das ist ein guter erster Blick, aber eben nur einer – und sein Normbereich ist sehr breit. Ein Wert kann technisch „normal“ sein und für Ihren Körper trotzdem nicht stimmig. Viele Frauen fühlen sich erst dann wieder gut, wenn ihr Wert im unteren Bereich liegt, nicht am oberen Rand. Genau das meine ich mit „normal ist nicht optimal“. Deshalb lohnt sich der Blick auf das ganze Bild: die freien Hormone fT3 und fT4 und die Antikörper, die zeigen, ob ein Hashimoto im Hintergrund läuft.
Wenn die Dosis immer weiter steigen muss
Manche Frauen kennen es: Das Schilddrüsenhormon muss immer wieder erhöht werden, damit der Wert „gut“ aussieht – und so richtig gut fühlt man sich trotzdem nicht. Das ist selten Zufall. Vielleicht wird das Hormon im Darm nicht richtig aufgenommen, etwa bei Einnahme zur falschen Zeit oder unter Säureblockern. Vielleicht hakt die Umwandlung in die aktive Form, weil Dauerstress, ein hohes reverse T3 oder fehlendes Selen und Eisen bremsen. Und Östrogen von außen – ob durch die Pille, eine Hormontherapie oder eine Schwangerschaft – kann den Bedarf zusätzlich erhöhen. Wichtig: Eine steigende Dosis ist ein Signal, dem man gemeinsam mit der Ärztin nachgehen darf. Verändern sollte man sie niemals selbst.
Die Schilddrüse arbeitet nicht allein
Ein großer Teil der Umwandlung vom Speicherhormon in die aktive Form passiert nicht in der Schilddrüse, sondern in Leber und Darm – und braucht unter anderem Selen und Zink. Dauerstress und ein hohes Cortisol bremsen genau diese Umwandlung. Und ein niedriger Eisenspeicher (Ferritin), bei Frauen sehr häufig, macht oft dieselbe Müdigkeit wie eine Unterfunktion. Wer seine Schilddrüse unterstützen möchte, schaut deshalb immer auch auf Darm, Stress und Eisen.
Drei Dinge, die Sie selbst tun können
In der Folge gebe ich am Ende drei einfache Anregungen mit. Erstens: Fragen Sie beim nächsten Mal nach dem ganzen Bild, nicht nur nach dem TSH. Zweitens: Kennen Sie Ihren Selen- und Ferritin-Status – und nehmen Sie nicht auf eigene Faust hochdosiertes Jod, das kann bei Hashimoto sogar schaden. Drittens: Nehmen Sie Stress und Darm ernst, weil die Schilddrüse genau dort ihr aktives Hormon bildet. Es geht dabei nicht um starre Pläne oder Zahlen, sondern um Prinzipien.
Ein Hinweis ist mir wichtig: Dieser Beitrag und die Podcast-Folge dienen dem Verständnis und ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Die Diagnose Hashimoto und jede Schilddrüsenmedikation gehören in ärztliche Hand. Naturheilkunde kann eine ärztliche Begleitung ergänzen, nicht ersetzen.
Die ganze Folge hören
Folge 5 von „Christiane Abraham · Naturheilkunde verstehen“ ist überall verfügbar, wo es Podcasts gibt: Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer und auf YouTube. Hören Sie gern rein – und schreiben Sie mir an praxis@christiane-abraham.eu, welche Themen Sie sich für eine der nächsten Folgen wünschen.