„Hormone? Auf gar keinen Fall. Die machen doch Brustkrebs.“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis fast jede Woche. Und ich verstehe die Angst dahinter — denn jahrzehntelang wurde genau diese Botschaft vermittelt. In meiner neuen Podcast-Folge erkläre ich, warum die Angst auf einer Studie beruht, die mit der heutigen Therapie wenig zu tun hat — und was sich seitdem grundlegend verändert hat. Hier finden Sie die wichtigsten Gedanken zum Nachlesen.
Bioidentisch heißt: Ihr Körper erkennt sie als eigene
Bioidentische Hormone sind Moleküle, die chemisch exakt den Hormonen entsprechen, die Ihr Körper selbst produziert. Sie werden meist aus Pflanzenstoffen gewonnen und im Labor in die gleiche Struktur umgewandelt, die auch in Ihren Eierstöcken oder Nebennieren entsteht. Der Unterschied zu synthetischen Hormonen: Ihr Körper kann sie über die normalen Stoffwechselwege verarbeiten. Ich vergleiche das gern mit einem Schlüssel, der perfekt ins Schloss passt — während ein synthetisches Hormon wie ein Nachschlüssel ist, der zwar irgendwie reinpasst, aber das Schloss dabei verkratzt.
Die WHI-Studie: Was wirklich getestet wurde
Die große Angst vor Hormonen geht auf die WHI-Studie (Women’s Health Initiative) aus den frühen 2000er-Jahren zurück. Was dabei oft verschwiegen wird: Getestet wurden Östrogene aus Pferdeurin in Kombination mit einem synthetischen Gestagen, bei Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren, die die Hormone als Tablette einnahmen. Das ist mit der heutigen bioidentischen, transdermal angewendeten Therapie bei jüngeren Frauen nicht vergleichbar.
Transdermal statt oral — warum die Anwendungsform entscheidend ist
Bioidentisches Östrogen wird heute als Gel oder Pflaster auf die Haut aufgetragen. Der entscheidende Vorteil: Es gelangt direkt in den Blutkreislauf, ohne zuerst die Leber zu passieren — und erhöht deshalb das Thromboserisiko nicht. Das ist einer der wichtigsten Fortschritte in der modernen Hormontherapie.
Die vier offiziellen Einsatzgebiete
In der Folge erkläre ich ausführlich, in welchen vier Situationen die medizinische Leitlinie heute eine Hormontherapie empfiehlt: bei Wechseljahresbeschwerden, bei erhöhtem Frakturrisiko zur Osteoporoseprophylaxe, bei einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr — auch ohne Beschwerden, weil es um die langfristige Prävention von Osteoporose, Herzinfarkt und Demenz geht — und bei urogenitalen Beschwerden. Besonders der dritte Punkt überrascht viele meiner Patientinnen, weil er zeigt: Manchmal ist eine Hormontherapie nicht Symptomlinderung, sondern Vorsorge.
14 vs. 17 pro 1.000 Frauen — das Krebsrisiko in Zahlen
Die Brustkrebs-Frage ist berechtigt, und ich beantworte sie in der Folge mit konkreten Zahlen. Von 1.000 Frauen zwischen 50 und 55 Jahren ohne Hormontherapie erkranken statistisch 14 an Brustkrebs. Mit bioidentischem Östrogen und Progesteron sind es 17 — drei zusätzliche Fälle pro tausend Frauen. Das ist ein messbarer, aber kleiner Unterschied, der ins Verhältnis gesetzt werden muss zu dem, was ein jahrelanger unbehandelter Östrogenmangel langfristig verursachen kann.
Drei Hormone, drei Aufgaben
In der zweiten Hälfte der Folge schaue ich mir die drei Hormone einzeln an: Progesteron als natürliches Beruhigungsmittel für besseren Schlaf, Östrogen als Schutzfaktor für Gehirn, Knochen und Herz-Kreislauf-System, und Testosteron — ein Hormon, über das bei Frauen noch viel zu wenig gesprochen wird.
Ein Hinweis ist mir wichtig: Dieser Beitrag und die Podcast-Folge dienen dem Verständnis und ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Die Verordnung von Hormonpräparaten gehört in ärztliche Hände. Naturheilkunde kann eine ärztliche Begleitung ergänzen, nicht ersetzen.
Zum Vertiefen
Den ausführlichen Blogartikel zu dieser Folge mit FAQ finden Sie hier:
Bioidentische Hormone: Fakten statt Angst
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Folge 4 von „Christiane Abraham · Naturheilkunde verstehen“ ist überall verfügbar, wo es Podcasts gibt: Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer und auf YouTube. Hören Sie gern rein — und schreiben Sie mir an praxis@christiane-abraham.eu, welche Themen Sie sich für eine der nächsten Folgen wünschen.