„Ich habe zu viel Östrogen.“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis sehr oft. Und in den allermeisten Fällen greift er zu kurz. Denn das Thema rund um Östrogen ist deutlich vielschichtiger, als es der Begriff „Östrogendominanz“ vermuten lässt. In meiner neuen Podcast-Folge nehme ich dieses Missverständnis genauer unter die Lupe — hier finden Sie die wichtigsten Gedanken zum Nachlesen.
Es gibt nicht „das“ Östrogen
Wenn wir von Östrogen sprechen, meinen wir eigentlich eine ganze Familie. Die drei wichtigsten sind Östradiol, Östron und Östriol. Sie haben unterschiedliche Aufgaben und wirken unterschiedlich stark im Körper. Schon allein deshalb ist die Aussage „mein Östrogen ist zu hoch“ oder „zu niedrig“ selten die ganze Geschichte. Erst wenn man weiß, welches Östrogen gemeint ist und in welchem Verhältnis die Werte zueinanderstehen, ergibt sich ein sinnvolles Bild.
Was „Östrogendominanz“ wirklich bedeutet
Der Begriff „Östrogendominanz“ suggeriert ein Zuviel an Östrogen. Häufig steckt aber etwas anderes dahinter: ein Zuwenig an Progesteron. Ich erkläre das gern am Bild einer Wippe. Östrogen und Progesteron sitzen sich gegenüber. Sinkt das Progesteron — etwa in den Jahren vor den Wechseljahren —, kippt die Wippe, obwohl das Östrogen selbst gar nicht erhöht sein muss. Das „Zuviel“ ist dann relativ, nicht absolut. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie den Blick auf ganz andere Zusammenhänge lenkt.
Wie Ihr Körper Östrogen abbaut — Leber und Darm
Hormone werden nicht nur gebildet, sie müssen auch wieder abgebaut werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Leber. Und auch der Darm entscheidet mit: Über die Darmflora wird beeinflusst, wie viel abgebautes Östrogen wieder in den Kreislauf zurückgelangt. Das ist einer der Gründe, warum Hormonthemen so eng mit Stoffwechsel, Leber und Verdauung verknüpft sind — und warum es sich lohnt, den Körper als Ganzes zu betrachten.
Drei Dinge, die Sie selbst tun können
In der Folge gebe ich am Ende drei einfache Anregungen mit, die ganz ohne Laborwerte auskommen und im Alltag ansetzen. Es geht dabei nicht um starre Pläne oder Zahlen, sondern um Prinzipien und Gewohnheiten, die Leber und Darm entlasten.
Ein Hinweis ist mir wichtig: Dieser Beitrag und die Podcast-Folge dienen dem Verständnis und ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Hormonwerte gehören immer in den Zusammenhang gestellt und ärztlich bewertet. Naturheilkunde kann eine ärztliche Begleitung ergänzen, nicht ersetzen.
Die ganze Folge hören
Folge 3 von „Christiane Abraham · Naturheilkunde verstehen“ erscheint am 18.06.2026 und ist überall verfügbar, wo es Podcasts gibt: Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer und auf YouTube. Hören Sie gern rein — und schreiben Sie mir an praxis@christiane-abraham.eu, welche Hormonthemen Sie sich für eine der nächsten Folgen wünschen.